Bild: Kyle Broad / Unsplash

Sarah, warum bist Du Single?

Sarah, 33, hat ein Problem: Sie ist niedergeschlagen und ihr fehlt Energie. Der Grund: Sie ist Single und findet nicht den richtigen Partner. Das hört sich nicht nach einer besonders interessanten Geschichte an, sondern wie das durchschnittliche Thema in der Mittagspause einer ganz normalen Firma in der Hamburger City. Das besondere an Sarahs Geschichte ist das, was Amal-Autor Ali Hassanpour im Interview mit ihr herausgefunden hat: Sarah kommt aus dem Iran, lebt seit drei Jahren in Deutschland und natürlich vergleicht sie ihr Schicksal in Hamburg mit dem, wie es für sie in Teheran weitergegangen wäre, wenn sie nicht weggegangen wäre. “Natürlich hätte ich dann jetzt einen festen Partner und wäre wahrscheinlich verheiratet”, sagt sie und beschreibt, wie ihr das Alleinsein in Deutschland immer mehr zu schaffen macht. Ihre Probleme, einen passenden Partner zu finden, schiebt sie darauf, dass es in Deutschland zu wenig Auswahl gebe: “Es gibt nicht genug junge Männer im passenden Alter, die meine Sprache sprechen!”, sagt sie und weist den Gedanken, einen Mann zu heiraten, der nicht aus dem Iran stammt, weit von sich. “Beziehungen über kulturelle Grenzen hinweg sind oft schwierig und können zu vielen Problemen führen”, sagt sie.

Sie merken schon, dieses Interview ist die Einladung, sich in eine neue Welt zu begeben: Die Welt von Sarah, in der Deutschland nicht – so wie für viele andere Frauen, die aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Deutschland kommen – das Land der sexuellen Befreiung ist, in dem sie sich endlich selbst ihre Partner*innen aussuchen können und keine Gefahr laufen, einen von der Familie ausgesuchten Cousin zu heiraten. (Ok, autsch, das war ein bisschen viel Klischee!) Für Sarah ist Deutschland das Land, wo diese sozialen Bindungen fehlen und wo sie sich deswegen allein fühlt. Erstaunlich? Interessant! Und eines ist klar: Sie ist mit ihrem Schicksal nicht alleine.

Wenn Sie auch für Ihre Zeitung einen Artikel rund um das Thema Liebe und Partner*innensuche unter Neuangekommenen haben möchten oder sogar das Interview mit Sarah interessant finden, sprechen Sie uns an. Wir übersetzen es gerne und haben noch viele andere besondere Geschichten auf Lager! Hier geht es zu Sarahs Geschichte auf Farsi.

Einladung ins (afghanische) Kino

heute und morgen Abend laufen im Metropolis Filme des Kollektiv Jump Cut. Zu dieser Gruppe gehört auch unsere Kollege Jalal Hussaini.

FOCUS ON AFGHANISTAN – ZWEI FILMPROGRAMME MIT GÄSTEN
13. UND 14. OKTOBER IM METROPOLIS KINO

KURZFILME DES JUMP CUT KOLLEKTIVS
Sechs Filme aus den Jahren 2011 bis 2020
15 junge Cineast:innen verbindet eine gemeinsame Idee: Geschichten über ihr Land erzählen, jenseits von gängigen Klischees und Stereotypisierungen. Anfang der 2010er Jahre finden sie sich in Kabul zusammen und drehen seitdem Filme, die in oft sehr persönlichen Geschichten von den Lebensrealitäten in Afghanistan und den Zwängen, Hoffnungen und Ängsten einer komplexen, gewaltgebeutelten Gesellschaft erzählen.
Wir zeigen ausgewählte Kurzfilme des Jump Cut Kollektivs und sprechen mit den Filmemachern Jalal Hussaini, Ali Hussaini Hussaini & Ghafar Fayziar über die Lage der afghanischen Filmindustrie sowie von Filmschaffenden in den vergangenen zehn Jahren. Und darüber, was die erneute Machtübernahme der Taliban für die Filmcommunity Afghanistans bedeutet. Das Filmprogramm finden Sie hier.
Mittwoch, 13.10. 19:30 Uhr, zu Gast sind Jalal Hussaini, Ali Hussaini Hussaini & Ghafar Fayziar.

MIDNIGHT TRAVELER
US/CA/QA 2019, Hassan Fazili, 87 Min., OmU
Aus Sicht der Taliban hat Hassan Fazili gleich mehrere schwere Verbrechen begangen: den Film Peace in Afghanistan veröffentlicht, in dem ein ehemaliger Taliban-Kommandeur über deren Kriegslust spricht und sie verurteilt, Filme über Frauenrechte gedreht und ein Café für Künstler in Kabul eröffnet. Nach massiven Drohungen der Islamisten muss er das Café schließen und mit seiner Frau Fatima und seinen beiden Töchtern Narges und Zahra aus dem Land fliehen. Eine dramatische Reise, die dokumentiert werden muss — da ist sich die Familie einig. Es gibt drei Mobiltelefone, mit denen sie filmen. ›Das war viel einfacher auf der Reise‹, erklärt der Regisseur. ›Ein Handy hat man immer dabei, man erregt auch nicht so viel Aufmerksamkeit.‹ Aus der technischen Not gelang es der filmenden Familie, eine regelrechte Tugend zu machen, wie der Tagesspiegel beschreibt: ›Mit drei Mobilfunkgeräten haben sie daraus ein Roadmovie gemacht, das viel mehr als bloß eine Art Logbuch der Selbstrettung einer Familie ist. Midnight Traveler setzt Angst, Frust und zermürbender Langeweile eine Poesie des Augenblicks entgegen, die sich aus Wolkenformationen, Vogelschwärmen, dem Lachen der Kinder, den Gesprächen der Eltern ergibt. Die Rettung ist auch das gute Bild.‹
Hassan Fazilis “Roadmovie” über die Flucht seiner Familie nach Europa feierte 2019 Premiere auf dem renommierten Sundance Festival.
Donnerstag, 14.10. 17:00 Uhr, zu Gast ist Hassan Fazili.

Über eine Berichterstattung würden wir uns freuen! Bei Interesse stellen wir Ihnen gerne Bildmaterial zur Verfügung. Ebenso können wir einen Kontakt zum Filmemacher und Journalist Jalal Hussaini und / oder dem Filmemacher Hassan Fazili herstellen.

Veranstaltungsort: Metropolis Kino, Kleine Theaterstraße 10
Eintritt: 7,50 € / 5 €
Infos und Tickets: www.metropoliskino.de
Es kann weiterhin über die 3-G-Regel das Kino besucht werden.