Illustration: Noah Ibrahim

Wie halten wir das Leiden der Anderen aus?

Einen Winter lang die Pobacken zusammenkneifen – diese Perspektive ist nicht schön: Keine Freunde treffen, nicht ausgehen und ohne Familie durch die Weihnachtszeit. Das mag man sich gar nicht vorstellen. Aber, mal ganz ehrlich, noch weniger mag man daran denken, wie es Menschen anderswo geht: Zum Beispiel in Syrien, in Afghanistan oder im Iran. Da bleibt einem das Selbstmitleid als Kloß in der Kehle stecken. Neulich sagte ein Kollege aus Syrien: “Meiner Schwester mit ihren Kindern ging es schon vorher schlecht. Jetzt traue ich mich gar nicht, sie zu fragen, wie sie über die Runden kommt”.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dem Elend der Anderen umzugehen: Man kann sich die Augen und Ohren zuhalten und das schlechte Gewissen beziehungsweise das unangenehme Gefühl der Ohnmacht versuchen zu betäuben oder durch Depression verdrängen. Man kann versuchen, sich an seiner relatv guten eigenen Situation zu freuen und das Leben (soweit es im Rahmen der derzeitigen CORONA-Möglichkeiten geht) ausleben und sich für die anderen mitamüsieren. Oder: Man kann das machen, was verschiedenen Gruppen in Deutschland derzeit organisieren und Hilfe in besonders betroffene Gebiete verschicken. Aora Helmzadeh beschreibt ein Projekt, das Geld für Schulkinder im Iran sammelt.

Während hier über mangelnde Digitalisierung und das für und wider des Wechselmodells diskutiert wird, gibt es im von CORONA besonders stark betroffenen Iran Millionen Kinder, die nicht in die Schule gehen und auch keinen Internetanschluss, geschweige denn einen Computer haben. Die YARA-Stiftung fordert die Menschen weltweit zu Spendenläufen für diese Kinder auf. Wie es genau funktioniert: Hier geht es zum Artikel auf Farsi:

In Hamburg haben sich die Mitglieder der Freien Deutsch Syrischen Gesellschaft zusammengetan, Spenden für Krankenhäuser und Schulen gesammelt und diese per Container nach Syrien verschifft. Mutaz Enjila hat sie am Verladetag besucht und diese Video gedreht.

 

Noch ein Ansatz

Sie ahnen es schon – schließlich haben wir als Aufmacherbild die Karrikatur von Nouh Ibrahim gepostet – es gibt noch einen Ansatz, wie man mit dem Elend der Menschen in Syrien und der Krise umgehen kann: Man kann versuchen, irgendwie Profit aus der Lage zu schlagen, indem man beispielsweise eine spektakuläre Konferenz organisiert. Vergangene Woche lud die syrische Regierung zu einem Flüchtlingsgipfel ein: Ausgerechnet nach Damaskus. Khalid Alaboud hat sich bei Geflüchteten in Deutschland umgehört, was sie über diese Konferenz denken und welche Reaktionen sie sich von den europäischen Regierungen wünschen. “Da organisiert der Mann, wegen dem wir geflohen sind, in der Stadt, die wir wegen ihm verlassen mussten, eine Konferenz und verlangt, dass wir kommen”, fasst einer der Befragten die Absurdität der Lage zusammen. Hier geht es zum Text auf Arabisch.

Ich weiß jetzt, was ich gegen Mobbing machen kann

Was können Frauen machen, damit sie im Beruf und in der Schule besser zurechtkommen. Was kann man machen, wenn Kollegen ständig “mensplainen”? Was hilft gegen Mobbing auf dem Schulweg? Amloud Alamir hat ein Trainingszentrum in Berlin besucht: Das Frauenzentrum für Young Women Leaders bietet speziell für geflüchtete Frauen Kurse an. Hier lernen sie Selbstbehauptung, Karriereplanung und  Zeitmanagement. Hier geht es zum Video:

 

Amal, Salon! Staffel zwei

Wir freuen uns, dass wir ab sofort wieder Woche für Woche am Freitagabend Konzerte, Gespräche und Lesungen streamen können. Nach dem Motto: Es ist zwar nervig, dass man nicht mehr ausgehen kann, aber auf gute Kulturevents braucht man deswegen nicht zu verzichten.  Die erste Folge hat Samer Masouh aus unserer Berliner Redaktion gestaltet. Er hat Najat Abulhaq eingeladen und mit ihr über die deutsche Wirtschaft und die Auswirkungen der CORONA-Krise gesprochen. Hier geht es zum Video:

Eine dänische Nerz-Schmerz-Geschichte

Wenn Ahmad Kalaji an Dänemark und Tiere denkt, fällt ihm ein Lurpark Werbeclip aus dem syrischen Fernsehen ein. Was waren das für schöne Zeiten: Eine Kuh im Flugzeug über einer grünen Wiese. Heute verbinden die meisten mit den Stichworten Tiere und Dänemark wohl die aktuellen Bilder von großen Nerz-Massakern, das in den vergangenen Wochen die weitere Verbreitung des neuartigen Virus verhindern sollte. Ahmad Kalaji berichtet, was passiert und welche Hintergründe in diesem Zusammenhang wichtig sind. Hier geht es zum Werbeclip von Lurpark und hier zu seinem Artikel auf Arabisch.

Endlich Klarsicht

Zu guter Letzt möchten wir hier noch auf einen Artikel hinweisen, der Hoffnung macht. In Hamburg hat eine Firma eine Lösung gefunden, wie Brillenträger und Brillenträgerinnen durch den Winter und ganz besonders durch diesen CORONA-Winter kommen, ohne den Durchblick zu verlieren. Hier geht es zum Artikel von Mutaz Enjila.

Foto: Samer Masouh, Nouh Ibrahim, Amloud Alamir, Anas Khabir, Andreas H. Pixabay

Amal, Hamburg! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Hamburg wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.