Photo by Carolina Heza on Unsplash

Ist denn unser Leben gar nichts wert?

Bedroht, eingeschüchtert, ermordet. Gerade neuangekommene Frauen aus Afghanistan werden derzeit besonders oft Opfer von Gewalttaten. Das zeigt ein Blick in unseren Nachrichtenüberblick: Derzeit läuft in Berlin der Prozess gegen die Brüder der ermordeten Maryam H.. Bei jeder Gerichtssitzung kommen weitere Details ans Licht: Wie die beiden die junge Frau ermordeten und ihre Leiche dann im Koffer durch ganz Deutschland transportierten, um sie in einem Wald zu verscharren.

Vergangene Woche berichteten wir über den gewaltsamen Tod einer sechsfachen Mutter, die von ihrem Ex-Mann ermordet wurde. In beiden Fällen ist klar: Die Frauen wussten, dass sie in Gefahr sind. Sie haben Hilfe gesucht und nicht gefunden. “Zählen unsere Leben denn gar nichts?”, fragt daher Amal-Redakteurin Aora Helmzadeh in ihrem Artikel diese Woche. Der Text ist eine Mischung aus zwei sehr unterschiedlichen journalistischen Formen. Einerseits ist es ein Kommentar, in dem Aora Helmzadeh anklagt, dass den Frauen nicht rechtzeitig geholfen wurde und dass dies auch mit der schwerfälligen deutschen Bürokratie zusammenhängt. (Aora Helmzadeh weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht, da sie selbst Opfer eines gewalttätigen Angriffs wurde und Hilfe suchte). Zugleich ist es ein Service-Artikel:  “Ihr dürft nicht aufgeben. Klopft an alle Türen. Eine wird sich dann vielleicht öffnen”, wendet sie sich direkt an ihre Leser*innen und liefert auch gleich alle wichtigen Notruf-und-Hilfenummern mit. Gerade Neuangekommene kennen oft noch nicht Hilfsangebote und Kontaktadressen beispielsweise von Frauenunterkünften. Hier geht es zum Artikel auf Dari/Farsi.

Heifaa Atfeh berichtet aus Hamburg über einen Verein, der sich ganz gezielt an Frauen mit Fluchtgeschichte wendet und ihnen psychologische Hilfe und Traumatherapie anbietet. Hier geht es zum Artikel über den Verein Dopamin in Hamburg.

Wir haben überlebt. Haben wir wirklich überlebt?

Auch die arabische Redaktion beschäftigt derzeit ein besonders grausames Thema. Seit kürzlich die britische Zeitung The Guardian ein Video aus Syrien veröffentlichte, das syrische Regimetruppen bei der Ermordung von Gefangenen zeigt, gibt es viel Diskussion darum. Wir berichten über eine syrische Familie, die auf dem Video einen Angehörigen wiedererkennt und so nun endlich Gewissheit hat, was aus ihm geworden ist, nachdem er 2013 plötzlich verschwand. Erschossen von syrischen Regierungstruppen, die sich offensichtlich mit ihrer Brutalität brüsten wollen. Wieso sonst hätten sie sich bei ihrer Gewaltorgie selbst gefilmt?  “Ich und meine Freunde hier in Berlin sind entkommen, haben überlebt”, schreibt Khalid Alaboud in einem Kommentar dazu: “Doch was ist mit den vielen anderen und was ist mit meiner Erinnerung: Die Erinnerung an die vielen Toten. So richtig voll und ganz haben wir die Grausamkeit nicht überlebt”, schreibt er. Hier geht es zu seinem Kommentar auf Arabisch. Wenn Sie Interesse haben, übersetzen wir ihn gerne für Sie und stellen ihn Ihrer Zeitung gegen Honorar zur Verfügung.
Amloud Alamir berichtet für uns von der Geberkonferenz zu Syrien, die in diesen Tagen in Brüssel stattfindet. Mit einer Milliarde will Deutschland den Opfern des syrischen Regimes und des Krieges dort helfen.

Mein Leben und meine Ukulele

Unser Kollege Ahmad Kalaji ist in der Redaktion dafür bekannt, dass er sich immer mal wieder ein neues Hobby zulegt. Mal probiert er veganes Kochen, mal geht’s um Urban Gardening. Sein neuestes Thema ist Ukulele. Dazu besucht er eine ganz besondere Musikschule und – Sie sehen es schon auf dem Bild – hat mehr gefunden als nur eine Anleitung, wie sich die trendige Mini-Gitarre richtig zupfen lässt. Hier geht es zu seinem Erfahrungsbericht.

Wie wählen was wir wollen!

 

Bei der Landtagswahl in NRW spielen die Stimmen von Wähler*innen mit arabischen, afghanischen und iranischen Wurzeln eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie werden die Neuwähler*innen wählen? Wie werben die Parteien um ihre Stimmen? Turki Albalushi und Qadir Wafa berichten. Diese beiden Praktikanten sind quasi unsere neue Amal-Außenstelle in NRW. Sie fassen zusammen, was für unsere Leser*innen bei dieser Landtagswahl zu beachten ist. Hier geht es zum Artikel auf Arabisch. Der Artikel auf Farsi folgt in den nächsten Tagen.

Frankfurter*innen gesucht….

Wir suchen nette, talentierte und erfahrenen Exil-Journalist*innen (Arabisch/Dari/Farsi) in Frankfurt/Main und Umgebung, die Lust haben, bei Amal ein Praktikum zu machen. Das Praktikum ist bezahlt und soll September-November 2022 gehen. Wir bieten einen Einblick in eine interessante Redaktion und die Möglichkeit, journalistisch zu arbeiten und sich eine berufliche Perspektive aufzubauen. Bewerbungen bitte an info@amalberlin.de 

Lasst uns über Medien reden

Hier kommen zwei Ankündigungen in eigener Sache: An diesem Sonntag startet unsere neue Serie von Amal,Salon!-Talks.

Wem können wir trauen?

Diesmal geht es um Medienbewusstsein. Wie informieren wir uns? Welchen Informationen können wir trauen? Woran erkennen wir Populismus und Meinungsmache? Welche Rolle spielt Fake News bei der Berichterstattung über Syrien, Afghanistan und den Krieg in der Ukraine? Mit freundlicher Unterstützung der Medienanstalt Berlin Brandenburg streamen wir 12 Folgen auf Arabisch und Farsi/Dari. Sonntags 20 Uhr und anschließend auf unserer Webseite. In der ersten Folge geht es um die Berichterstattung über und aus Afghanistan. “Woher wissen wir eigentlich derzeit, was in Afghanistan passiert?” fragt Noorullah Rahmani den Afghanistanexperten und Journalisten Thomas Ruttig.

Exile Media Forum 2022

Am 16. Mai findet das vierte Exile Media Forum statt. Die größte Fachkonferenz für Exiljournalismus widmet sich u.a. der Presse- und Medienfreiheit in Europa, der digitalen Sicherheit und dem Umgang mit Spionagesoftware. Ein eigener Schwerpunkt gilt der Situation des Exiljournalismus in Afrika in Kooperation mit dem Medienprogramm Subsahara-Afrika. Anlässlich der Konferenz stellt die Körber-Stiftung ihren Lagebericht zu Exilmedien in Europa vor.

Die Keynote hält in diesem Jahr Ivan Kolpakov, Chefredakteur der exilrussischen Nachrichtenplattform Meduza. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird zudem ein Spotlight auf die Situation ukrainischer Journalist:innen geworfen.

Schaltet am 16. Mai um 09:00 Uhr ein, um nichts zu verpassen!

Livestream auf: www.koerber-stiftung.de

s