© 2017 epd/Lukas Barth

Schnee in Kabul

Sie ahnen es schon, oder? Es geht in unserem Newsletter nicht um den für manche schönen, für andere katastrophalen, auf jeden Fall sehr kalten und vor allem spektakulären Wintereinbruch in unserem Berichtsgebiet. Leider! Es geht diese Woche um ein anderes, sehr bedrohliches Thema, das mit Winter, Kälte und Katastrophe zu tun hat. Gestern Abend startete der umstrittene Abschiebeflug nach Afghanistan. Es ist bereits der zweite solche Flug in diesem Jahr. Eben meldete dpa, dass der Flug in Kabul gelandet ist. Was erwartet die 36 Männer, die jetzt gerade in Afghanistan ankommen? Schauen Sie aus dem Fenster: Was sehen Sie? Schnee, eisige Kälte und CORONA – Nun muss man davon die Zentralheizung, das Gesundheitssystem und die funktionierende Verwaltung sowie gut gefüllte Supermärkte abziehen und einen endlosen Kampf mit zum Teil fanatischen Gruppen addieren. Das ist es, was die Männer erwartet. Mindestens.

Mit den Abschiebeflügen kehrt die Angst zurück

Auch auf unser Leben hier in Deutschland haben diese Flüge Auswirkungen: Wir möchten Ihnen hier noch einmal das Video von Dawod Adil empfehlen. Er berichtet über einen ganz normalen jungen Afghanen, der nicht mehr schlafen kann und unter Angstattacken leidet, seit die Abschiebeflieger wieder starten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er selber abgeschoben wird, doch das ändert nichts an seiner Panik. Er hat Mühe, seinen Alltag zu bewältigen und wie ihm geht es vielen anderen, die gerade dabei sind, in Deutschland ihren Platz zu finden.

Schnee!!!!

Jetzt zu dem anderen großen Thema diese Woche: Noch ist die Kälte nicht vorbei und wir wollen Ihnen unsere Schneegeschichten nicht vorenthalten. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Berichte vom Wintereinbruch. Alle aktuellen Meldungen zu Schnee, CORONA und was man sonst noch wissen muss, um mitreden zu können, gibt es hier.

Apropos CORONA. Wie geht es uns eigentlich und wie lange soll das noch so weitergehen?

Anas Khabir hat sich bei Syrer*innen in Berlin umgehört. Wie meistern sie den Alltag mit dem Lockdown? Was halten Sie von den Forderungen nach Lockerungen? Wie groß ist ihre Angst vor Mutationen? Das Interessante an der Umfrage ist, dass die Antworten so wenig überraschen. Nennt man das vielleicht Integration, wenn die Meinung der Neuangekommenen und die der Alteingesessenen fast identisch sind? Hier geht es zum Podcast auf Arabisch.

Chancen in Hamburg

Gute Aussichten für Neuangekommene in Hamburg. Der HVV sucht dringend neue Busfahrer*innen und andere Angestellte. Abbas Al Deiri hat sich informiert und beschreibt, was man machen muss, um bei der Hamburger Hochbahn Karriere zu machen.

Abgehängt in Hamburg

Nicht so fröhlich schauen die Geflüchteten in Unterkünften in Hamburg auf die aktuelle Lage. Ohne schnelles Internet und funktionierende Laptops ist das Leben im Lockdown noch trister. Und überhaupt: Wie soll das mit dem Homeschooling gehen? Nilab Langer über die “digitale Armut” mancher Geflüchteter.

10 Jahre danach – Syrien

Morgen vor zehn Jahren trat der ägyptische Langzeitpräsident Hosni Mubarak ab. 18 Tage der Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo hatten ihn hinweggefegt. Das war zumindest der Eindruck, der damals entstand. Später kristallisierte sich ein anderes Bild heraus, in dem das Oberkommando des ägyptischen Militärs und dessen Wunsch nach einem Personalwechsel im Präsidentenamt eine Rolle spielte. Wie auch immer: Der Sturz Mubaraks am 11.2.2011 war eine Art Weckruf für Aktivist*innen in vielen anderen Ländern. (Hier gibt es den Sound dazu. Nostalgiker*innen bitte hier entlang). In Bahrain, in Libyen, in Marokko und in Syrien gingen sie auf die Straße. Sie riefen: “Das Volk möchte den Sturz des Systems!” und sie träumten von Freiheit und einer Zukunftsperspektive. Was von diesen Träumen geblieben ist und wie die Ideen unter den Aktivist*innen von damals, die heute zum Teil in Deutschland im Exil sind, weiterleben, fassen wir in einer Serie zusammen. Diese Woche schreibt Abbas Al Deiri über Syrien. In der nächsten Woche folgen die Texte zweier Autorinnen aus Bahrain und Libyen.

Er ist ein Star!

Dachil Osman ist einer der ganz Großen mit Fans in der ganzen Welt. Das liegt daran, dass er Musik macht, die Menschen begeistert. Es liegt aber auch daran, dass seine Fangemeinde in den vergangenen Jahren über die ganze Welt vertreut wurde. Dachil Osman ist Jeside und hat nach dem Massaker des IS an den Jesiden 2014 seine Heimat verlassen. Er lebt wie 200 000 seiner Landsleute in Deutschland. Leider mussten wir seinen Auftritt im Amal,Salon! in der vorigen Woche kurzfristig absagen. Der Grund war eine Gedenk- und Trauerfeier für die beim IS-Angriff Getöteten, die im Irak stattfand. Es kam uns unpassend vor, zeitgleich eine Streaming-Party zu feiern. Umso mehr freuen wir uns, dass er diese Woche Gast im Amal, Salon! ist.

Freitag, 12.2.2021 um 19 Uhr Hier

Fotos: Lukas Barth epd (2017), Anas Khabir, Ahmad Kalaji,Julia Gerlach, Nouh Ibrahim

Amal, Hamburg! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Hamburg wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

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