22. März 2024

Lieblingsgeschichte

Das ist das Titelbild unserer erfolgreichsten Geschichte der Woche. Was meinen Sie, wovon sie handelt? Woran denken Sie, wenn Sie sich das Bild anschauen?

Frühling? Ja, da sind Sie bei uns richtig. Heute ist persisches Neujahr. Newroz. Gefeiert wird es in weiten Teilen Kurdistans, Irans und Afghanistans. Allerdings gehört inzwischen für Afghaninnen Mut dazu, den Tisch mit den traditionellen Speisen zu decken und den Frühling zu feiern. Die Taliban und die Mehrheit der konservativen Religionshüter sehen darin einen heidnischen Brauch. Das Feiern dieses Festes – noch dazu mitten im Ramadan – halten sie für eine große Sünde. Gerade das macht das Fest für viele, die anders denken, so beliebt. Newroz feiern ist für sie eine schöne Tradition und ein Akt des Widerstands. Deswegen wird das Fest gerade jetzt in Deutschland groß gefeiert. Hier geht es zu unserer persischen Seite und hier zu einer Umfrage, die Dawod Adil zum Thema Shopping und Feiern zwischen Ramadan und Newroz im afghanischen Großmarkt in Berlin-Lichtenberg gemacht hat.

Mit dem Titelbild der Woche hat das alles aber nichts zu tun. Welche Geschichte könnte sich dahinter verbergen?

Video von Dawod Adil
Apropos Frühlingsfest. Auch die ukrainische Community hat am vergangenen Wochenende ein großes Frühlingsfest gefeiert. In Sowjetzeiten wurden in diesen Tagen der Muttertag groß gefeiert. In der neuen Ukraine wurde das Fest umbenannt und unter dem Namen Kolodie kamen in Frankfurt viele Ukrainer:innen zusammen.
Video Ronnie Darwish und Viktoriia Chernykova-Berezdetska
Aber das war es auch nicht. Unsere Lieblingsgeschichte der Woche handelt nicht vom Frühling. Welche Assoziationen könnten Ihnen noch einfallen, wenn Sie das Bild der Jungen Frau auf dem Gemälde oben anschauen?

Kunst? Ja, auch dazu haben wir diese Woche gleich mehrere Stories. Natalka Yakymovych (ja, genau. Das ist die Amal-Kollegin, die kürzlich eine Kunst Galerie in der Berliner Auguststraße eröffnet hat und seitdem ihre Zeit zwischen Amal-Redaktion und Galerie-Viertel aufteilt) hat eine Wohltätigkeitsveranstaltung der Villa Griesebach besucht. Im wohl renommiertesten Auktionshaus von Berlin fand gestern Abend ein BER4UA-Event statt. Das Who-is-Who der Berliner Kunst-Schickeria kam zusammen, um der Ukraine und den Ukrainer:innen in Deutschland zu helfen. Hier geht es zum Vorbericht auf unserer ukrainischen Seite. Tja, aber mit dem Titelbild der Woche hat die Auktion auch nichts zu tun. Das Bild wurde dort weder ge- noch verkauft.

Was ist dann die Story des Titelbildes? Woran erinnert es? Woran denken Sie, wenn Sie die junge Frau im weißen Hemd sehen? Denken Sie einmal in größeren Kategorien. So etwas wie:

Krieg? Liebe? Tod? Da kommen wir der Sache schon ein bisschen näher. Das Bild ist das Titelbild unserer beliebtesten Geschichte der Woche auf der ukrainischen Seite, geschrieben von Darka Gorova. Sie zeichnet die verschlungene Geschichte eines Gemäldes nach. Es zeigt Elizaveta, der Tochter des letzten Hetman der Ukraine, Pavel Skoropadskyi. Dieser hohe General und letzte Herrscher des Kosakenreiches auf dem Gebiet der heutigen Ukraine regierte dort von Februar bis November 1918 und ging anschließend mit seiner Familie ins Exil nach Deutschland. Hier organisierte er und später seine Kinder die Hilfe für die hungernde Bevölkerung in der Ukraine und sie halfen geflohenen Ukrainer:innen, in Deutschland Fuß zu fassen. 

Die adelige Familie lebte in Bayern ein mondänes Leben und man ließ Porträts aller Familienmitglieder anfertigen. Die Bilder gelten als Meisterwerke und hängen seit Jahrzehnten in Kyjiw im Museum. Nur ein Bild fehlte. Das Schönste von allen. Von dem Porträt von Eliizaveta gab es bislang im Museum nur Postkarten zu kaufen. Das Original hing bis vor einigen Wochen im Wohnzimmer einer Familie in Oberstdorf. Es war durch Zufall dorthin gekommen. Ein Großvater hatte es geschenkt bekommen, als er zu einer Haushaltsauflösung ging, um dort seine Briefmarkensammlung zu ergänzen. Erst jetzt stellte die Familie fest, welch prominente junge Frau sie dort an der Wand hängen haben.

Wir bei Amal haben lange darüber gerätselt, warum es ausgerechnet diese Geschichte ist, die unseren ukrainischen Leser:innen in dieser Woche besonders gut gefallen hat. Zumal der Text lang ist und nicht dem entspricht, was als Social Media tauglich gilt.

Doch eigentlich ist es einleuchtend, warum gerade dieses Thema bei unseren ukrainischen Leser:innen gut ankommt. Ganz Deutschland streitet über Taurus oder nicht-Taurus und die Nachrichten von der Front in der Ukraine machen wenig Mut. Da erscheint es doch viel sinnvoller, sich über das wiedergefundene Bild zu freuen und darüber nachzudenken, ob und wie sich die schöne weiße Bluse von Elizaveta kopieren und in die Frühjahrsmode integrieren lässt. Hier geht es zum Artikel.

Herzliche Einladung

Heute Abend beteiligt sich Amal an einer Podiumsdiskussion zum Thema Journalismus und Migration. Dawod Adil vertritt Amal auf dem Podium. Kommen Sie und diskutieren Sie mit uns. Hier geht es zur Veranstaltung.

Am 27.3. gestaltet Amal einen Community Call der Welcome Alliance. Es geht um das Thema Bezahlkarte. Wir sprechen mit denen, die die Karte befürworten und denen die sie kritisch sehen. Vor allem sprechen wir mit denen, die die Karte benutzen. Hier geht es zur Anmeldung. Moderiert wird die Veranstaltung von Maryam Mardani und Khalid Al Aboud.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Woche!

Viele Grüße vom Amal-Team
Foto: Dawod Adil, Villa Griesebach, Wiki Commons