©Mutaz Enjila

Lockdown oder Flockdown?

Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die Amal für unsere Communities so wertvoll machen. Klein wie die Schneeflocken, die gerade vom Himmel fallen. Mutaz Enjila ist mit der Kamera zu den Rodelbergen in seiner Hamburger Nachbarschaft gezogen und hat das wilde Treiben dort dokumentiert. Er weiß, wovon er spricht – drei Schlitten gibt es bei ihm, damit seine Kinder gemeinsam am Spaß teilhaben können. All die Familien, die in viel zu engen Wohnungen im Lockdown zu Hause sitzen, hat er mit seiner Bildergeschichte vor die Tür gelockt. Mit Abstand natürlich. Aber nach einer ordentlichen Portion frischer Luft ist das Leben gleich wieder viel schöner.

Mehr Araber in die Polizei

Die Berliner Polizei sucht Nachwuchs – und hat damit einen Hit gelandet. Das Video, mit dem sie um Bewerber*innen wirbt, geht gerade viral. Über Twitter erfuhr AbdolRahman Omaren von der Kampagne, klickte das Video und musste herzhaft lachen. „Wir schützen deine Rechte, auch das gegen uns zu sein”, heißt es da. Und wenig später: “Wir wollen uns den Respekt der Straße nicht erkämpfen, sondern verdienen” – zu Bildern, wo zunächst Polizist*innen mit kugelsicheren Westen und martialischen Helmen im Einsatz sind – und dann fast zärtlich eine gebrechliche alte Frau auf der Straße stützen.”

“Das ist auch was für uns”, dachte AbdolRahman, schreib einen Artikel dazu und postete das Video auf Amal. In den Kommentaren auf Facebook flackerte eine wilde Debatte auf: darin ging es um die Rolle der Polizei in Deutschland, aber auch um die eigene Rolle in der neuen Gesellschaft. Bewerben oder nicht-bewerben? Kann man als Araber in Berlin Polizist*in sein?

Man kann. Kürzlich hat Berlin angekündigt, dass die Verwaltung bunter werden soll. 35 Prozent der Mitarbeitenden sollen Einwanderer und deren direkte Nachkommen sein. Die Verwaltung soll die Verhältnisse in der Bevölkerung der Stadt spiegeln, wo derzeit 35 Prozent der Menschen Migrationshintergrund haben. Es würde nicht wundern, wenn die Behörde, die man bis vor kurzem noch eher verächtlich „die Bullen“ nannte, bald die eine oder andere Bewerbung von jungen Menschen bekommt, die nicht nur deutsch, sondern auch arabisch sprechen.

Corona bewirkt Papierstau

Aber: Wer hilft jetzt bei der Bewerbung? Wer hilft beim Ausfüllen der Formulare, beantragt dies und regelt das? Noorullah Rahmani ist aufgefallen, dass die Corona-Krise und die deutsche Bürokratier nicht gut zusammen passen. Er sprach mit Syrern und Afghanen, die gerade echte Probleme haben, ihre Dinge zu regeln. Früher – also vor dem Lockdown – hatten sie alle inzwischen Anlaufstellen, wo sie Leute kannten, die ihnen mit dem Behördenkram helfen konnten … sei es mit der Steuer oder dem Antrag auf einen neuen Führerschein, mit Kindergeld oder Sprachkurs oder Wohnungsamt oder, oder, oder. Aber jetzt? Per Telefon lässt sich das alles viel schwerer regeln. Und so mancher vertagt die Probleme in der Hoffnung, dass Beratungs- und Anlaufstellen bald wieder öffnen dürfen. Insha Allah. Noorullah´s Artikel übersetzen wir gerne.

Ein Stipendium ist mehr als Geld

Unseren Praktikanten Ziyad Farman (zweiter von rechts) haben wir vergangene Woche schon vorgestellt. Er ist ist Stipendiat im Evangelischen Studienwerk Villigst – wie derzeit 1450 andere Studierende, darunter 73 mit Fluchterfahrung. In dieser Woche erklärt er, was es mit so einem Stipendium auf sich hat, und macht anderen Mut, sich auch zu bewerben. Dabei geht es nicht nur um Geld. Mindestens ebenso wichtig sei das Netzwerk, dass sich durch das Studienwerk für ihn geöffnet hat: Regelmäßige Treffen mit vielen interessanten Leuten, Auslandssemester und vor allem eine hervorragende Betreuung durch die Mitarbeitenden des Studienwerks. „Ich habe das Gefühl, dass eine große Last von meiner Schulter genommen worden ist“, schreibt Ziyad in seinem Artikel. Vielleicht kennen Sie, lieber Leserinnen und Leser, auch tolle junge Leute, für die so ein Stipendium gut wäre? Schicken Sie ihnen den Link.

Hmmmmm, riecht das gut nach Heimat

Amal-Reporter Anas Khabir war neulich im Bio-Laden in seiner Nachbarschaft – und hat das Geschäft spontan ins Herz geschlossen. Dort gibt es Seife aus Aleppo, die wohl älteste Seife der Welt. Hergestellt wird sie immer noch nach überliefertem Rezept aus Olivenöl und Lorbeer. Anas schnupperte an der Seife – und war glücklich. Bilder aus Kindertagen stiegen vor seinem inneren Auge auf: auch in seinem Dorf nahe Idlib wird diese Seife produziert. Sie ist das vielleicht berühmteste Produkt aus Syrien, das auf dem deutschen Markt zu haben ist.