20. September 2019

Lieber Herr Bukhari,

vielen Dank für ihre Kommentare zu dem Video, in dem wir das Team von Amal und die Arbeit unserer Redaktion vorstellen. Wir freuen uns immer über Diskussionen mit unseren Lesern und Leserinnen und natürlich wissen wir es zu schätzen, wenn Sie als Betreiber der wohl wichtigsten Facebook-Gruppe von Syrern in Berlin auf uns verweisen und ihrer Leserschaft in die Diskussion über Amal einbeziehen.

Leider mussten wir einige Kommentare (nicht von Ihnen, aber von anderen, die sich im Verlauf der Diskussion meldeten) auf unserer Seite löschen, da sie die Grenze zum Hate-Speech überschritten. Sicherlich kann man die Beteiligung des iranischen Regimes am Krieg in Syrien verurteilen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass arabisch sprechende Journalisten nicht mit Farsi/Dari-sprechenden Journalisten auf einer lokalen Nachrichtenplattform über Ereignisse in Deutschland arbeiten sollen, ist für uns nicht nachvollziehbar. Dies gilt insbesondere, weil die Kollegen und Kolleginnen ja in Deutschland im Exil leben. Sie zählen gerade nicht zu den Anhängern des iranischen Regimes, sondern sind vor ihr geflohen.

Schlimmer noch: Im Verlauf dieser Diskussion wurden – nicht von Ihnen persönlich, aber von anderen Diskussionsteilnehmern und -teilnehmerinnen – extrem abwertende Urteile über Farsi/Dari-sprechende Menschen und Schiiten getroffen. Es fielen sehr üble Begriffe, die hier nicht wiederholt werden können.

Ich fühlte mich an Diskussionen mit rechten Deutschen erinnert: Wenn ich erzähle, dass ich mit Menschen aus Syrien, Afghanistan, Ägypten und dem Iran zusammenarbeite, dann bekomme ich zu hören: „Oh, wie kannst Du nur mit Terroristen zusammenarbeiten? Ich finde es unerträglich, dass es heute in Deutschland so viele Muslime gibt“. Leider leben wir in einer Zeit, in der Menschen schnell in eine Schublade gesteckt werden. Da werden alle Muslime in einen Topf gesteckt mit den wenigen, die im Namen des Islam Gewalttaten begehen und alle Iraner für die Taten ihrer Regierung verantwortlich gemacht. Ob sie nun diese Regierung unterstützen oder von ihr verfolgt werden.

Wir würden uns freuen, wenn sie Lust hätten, uns und unsere Arbeit besser kennenzulernen. Es wäre uns eine Ehre, wenn Sie uns besuchen würden und wir sind auch gerne bereit, diese und andere Fragen in einem Video-Interview mit Ihnen zu diskutieren.

 

Viele Grüße

Julia Gerlach

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