Illustration: Noah Ibrahim

Nur wenige Meter von den Regierenden dieser Welt

die Welt schaute auf diese Stadt am vergangenen Wochenende, als die Bundeskanzlerin alle wichtigen Akteure zur Libyenkonferenz versammelte: Putin, Erdogan, die Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Italien, Ägypten, Algerien und dem Kongo, die USA, China, die UN, EU, die Afrikanische Union und die Arabische Liga waren versammelt, sogar Präsident Fajis al-Sarradsch und General Chalifa Haftar saßen nur wenige Meter von einander entfernt in verschiedenen Räumen hinter den Kulissen.

Und wer war mit dabei? Sie ahnen es. Wenn wir in diesem Newsletter solche Suggestivfragen stellen, dann geht es meistens darum, von unserer Arbeit zu erzählen. Die Amal-Reporter Samer Masouh und Anas Khabir haben live von der Libyen-Konferenz berichtet. Sie haben den Sonntag im Bundespresseamt verbracht, inmitten der Scharen von Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, und auch wenn die beiden Amal-Reporter die große Pressekonferenz am Ende nur auf dem Bildschirm im Pressezentrum verfolgen konnten – wir sind ja nur eine kleine Nachrichtenplattform, die großen Sender und Agenturen hatten im Bundeskanzleramt den Vortritt – so waren sie doch nicht nur gefühlt ganz dicht dran am Geschehen.

Ein Facebook-Live von Samer Masouh und Anas Khabir können Sie hier sehen, und den Bericht von Samer Masouh finden Sie hier. Sein Kommentar zu dem Geschehen: „Was dort geschehen ist, war nicht der erste Versuch, eine friedliche Lösung für den Konflikt in Libyen zu finden, und es gab auch schon ähnliche Beschlüsse. Aber die wurden nicht umgesetzt. Deswegen ist es wichtig, nun sehr ernsthaft daran zu arbeiten, die Ergebnisse der Konferenz umzusetzen. Sonst wäre diese Konferenz nutzlos.“

Die Heldin des alten Damaskus im jungen Berlin

 

Der Vater von unserem Reporter Ahmad Kalaji gehört zu den Menschen, die in der Vergangenheit leben. Fast jeden Tag schickt er seinem Sohn Bilder aus dem alten Damaskus nach Berlin. Mal ein Foto von einem historischen Gebäude, mal eine Straßenszene aus der Levante, mal fragt er: „Weißt Du vielleicht, wo diese Gasse ist, die ich 1954 fotografiert habe?“ Manchmal kann Ahmad mit Hilfe von Google dann weiterhelfen. Aber natürlich längst nicht immer.

Aber auch das Universum von Ahmads Vater hat inzwischen Ausläufer in der digitalen Welt: „Humans of Damascus“ heißt eine Facebook-Gruppe. Deren Gründerin Rania Kataf ist für Ahmads Vater sowas, wie für Youtube-Freunde vielleicht Rezo ist: ein echter Star. 17.000 Follower hat die Gruppe schon, und es werden immer mehr: Menschen, die sich für die Geschichte von Damaskus und seiner Bewohner interessieren. Rania hat die Gruppe 2016 gegründet – in dem Jahr, in dem sie nach Berlin zog. Ahmad sagt: „Mein Vater hat das Gefühl, dass sie das nur für ihn und sie getan hat. Um in ihm die Erinnerung an die Stadt wach zu halten, die er so liebt. Und um ihm die Möglichkeit zu geben, die Erinnerungen mit anderen zu teilen…“ Kürzlich hat Rania Kataf im Archäologischen Zentrum in Berlin einen Vortrag gehalten. Ahmad Kalajis sehr persönlichen Bericht von der Begegnung mit der Welt seines Vaters finden Sie hier.

 

Der Kunde soll König sein – auch wenn er Araber ist

Alle reden von Diskriminierung. Abdolrahman Omaren tut es auch. Mit spitzer Zunge erzählt er, wie er kürzlich mit einem Freund in einem arabischen Restaurant war. Das Essen war köstlich, sie hatten eine gute Zeit. Auch das Ambiente passte. Vergnügt beobachteten die beiden, wie der (arabische) Kellner den (deutschen) Gästen am Nachbartisch die Rechnung brachte, stilvoll in einer Schachtel aus Holz und mit Würde überreicht. Kurz darauf waren auch die beiden Freunde fertig mit dem Essen und baten um die Rechnung. Der gleiche Kellner kam und drückte ihnen eine Stück Papier in die Hand. Keine Schachtel mit kunstvollen Mosaiken, keine Verbeugung vor dem Gast, damit er gerne wieder kommt. Nein, der arabische Kunde kommt ja sowieso. Um den muss man sich nicht extra bemühen.

„Egal, ob Du, lieber Araber, Kellner in einem arabische Restaurant bist oder Lehrer in der Fahrschule oder was auch immer, schreib Dir eins hinter die Ohren: Auch wir Araber sind Kunden und zahlen für Deine Dienste, also bitte mach keinen Unterschied und behandele uns so gut wie Deine deutschen Kunden auch.“ Diese Glosse würden wir mit dem größten Vergnügen für Sie als Redakteur deutscher Medien übersetzen und Ihnen in einem Schächtelchen aus Holz überreichen. Im Gegenzug würden wir uns über Trinkgeld freuen. Melden Sie sich, info@amalhamburg.de.

 

Amal, Hamburg! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Hamburg wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

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Bildnachweis: Anas Khabir, Rania Katif und Noah Ibrahim.

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