Foto: Maryam Mardani
02/08/2019

Vom Grau zum Grün – ein Jahr Familiennachzug

Es ist alles ganz schön bunt hier. Und wir bei Amal hoffen, dass das auch so bleibt. Gerade schreiben Kolleginnen und Kollegen an einem Kommentar zu dem gruseligen Mord in Stuttgart, wo ein Mann seinen ehemaligen Mitbewohner mit einem Schwert erschlagen hat. Jene, die eine unbunte Republik schaffen wollen, betonen lautstark die Herkunft des Mannes (Syrer? Palästinenser? Flüchtling! Seit 2015 im Land!). Diesem düsteren Säbelrasseln setzen wir mit diesem Rundbrief eine geballte Menge Farbe entgegen.

Kunterbunt angemalt

Eines Tages, erzählt Omid Rezaee, bewarb sich ein junger Mann aus Saudi Arabien um ein Zimer in seiner WG. Sofort gingen bei den Mitbewohnern die Alarmglocken an. Saudi Arabien – das konnte nicht gut gehen. Sicher wäre der Typ ein fieser Macho und ausgesprochen Homo-Feindlich. Trotzdem bekam der Bewerber – er hieß Mohammad – das Zimmer und zog ein. Omid traf den neuen Mitbewohner nun Abend für Abend in der Küche – und erlebte so manche Überraschung. Bald war er dabei, wenn der Mann sich fürs Nachtleben schön machte, die Finger lackierte, die Augen schminkte – und durch die Homobars der Stadt zog. So kann man sich täuschen. Hier geht es zu dem  sehr persönlichen Bericht von Omid Rezaee.

Vom Grau zum Grün

Es war im Sommer 2018, dass erstmals wieder im begrenzten Umfang Geflüchtete enge Familienangehörigen nach Deutschland nachholen konnten. Khalid Alaboud hat einige der Familien getroffen, die seither von dieser Möglichkeit gebraucht gemacht haben. „Alles war grau bis zu dem Tag, an dem meine Familie ihr Visum bekam“, erinnert sich Nizar al-Hajj im Gespräch. Seit die Familie wiedr vereint ist, erlebt Nizar sein Leben wieder als grün, der Mut, der ihn zu lange verlassen hatte, ist zurückgekehrt. Der lange Weg durch die Mühlen der Bürokratie hat sich gelohnt. Gerne übersetzen wir diesen Artikel für deutsche Medien. Melden Sie sich bei Interesse einfach unter info@amalhamburg.de.

 

Mit Amal an den Strand

Es muss ja nicht gleich ein ganzer Urlaub sein – manchmal hilft es schon, einfach mal für einen Tag dem Alltag den Rücken zu kehren und die Welt um sich herum zu erkunden. So hat Amal-Reporter Mutaz Enjila seine Familie zu einem Ausflug an die Ostsee mitgenommen. In Kiel und am Strand von Laboe mischten sie sich in den Sommertrubel, spielten am Strand und im kalten Wasser – und mit einem Mal wurde ihnen klar, dass es nun schon sieben Jahre her war, dass sie zum letzten Mal am Strand gewesen waren, damals in Syrien, vor der Flucht. Den Reisebericht finden Sie hier.

Bunte Vielfalt

Zum Sommer in der Stadt gehört auch das fröhliche Treiben rund um den Christopher Street Day. Gleich mehrere Amal-Reporter haben sich diesmal aufgemacht, darüber zu berichten. Besonders eindrücklich sind die Bilder von Maryam Mardani aus Berlin. Sie hat das Strahlen in den Gesichtern der Feiernden eingefangen – und spiegelt auch das Gefühl, dass es für viele Schwulen, Lesben und andere queere Menschen ganz normal ist, Hand in Hand durchs Leben zu gehen. Die Bildergeschichten finden Sie hier und hier und hier.

 

Afghan-Rap

Bezhan Zafarmal ist der wohl bekannteste afghanische Rapper. Besser bekannt ist er unter seinem Bühnennamen DJ Besho. Geboren ist er 1977 in Kundus. Als er zehn Jahre alt war, beschlossen seine Eltern zu fliehen. Sie zogen nach Indien, China, Russland und schließlich nach Wiesbaden, wo Bezhan heute lebt. Das Rappen hat er in Peking gelernt, in Wiesbaden gründete er dann sein eigenes Label. Seine Botschaft: Macht Frieden, nicht Krieg. Im Interview mit Dawod Adil erzählt Bezhan aus seinem bewegten Leben – und rappt dabei, was schwer zu übersetzen ist. Deshalb ist dieses Video denn auch ohne Untertitel.

Foto: Maryam Mardani